Umgehungstraße Bensersiel vor dem Durchbruch? UNESCO und EU schlagen neue Trasse vor

01-04-2010

Esen-Bensersiel, 01. April 2010. In Bensersiel bei Esens im Landkreis Wittmund wird „auf Deubel komm raus“ während mehrerer laufender Gerichtsverfahren eine Umgehungsstraße in einem „faktischen Vogelschutzgebiet“ gebaut. Diese Trassenführung ist eigentums- und naturschutzrechtlich höchst umstritten, hält aber den Rat der Stadt Esens in seiner Unerforschlichkeit nicht davon ab, Fakten zu schaffen. Nun haben sich auch die UNESCO und die EU-Kommission in die Niederungen der Kommunalpolitik begeben und suchen nach verträglicheren Lösungen. Der Lokalpresse war dieser Vorstoß keine Zeile wert.

Neubau der Umgehungsstraße Bensersiel
Umstrittener Neubau der Umgehungsstraße Bensersiel


„Dem Vernehmen nach“ ist eine Lösung des umstrittenen Trassenverlaufes der Umgehungsstraße Bensersiel durch ein europäisches Vogelschutzgebiet in greifbare Nähe gerückt. Wegen des drohenden Rückbaus durch einen bevorstehenden Gerichtsbeschluss schaltete sich die UNESCO in das Verfahren ein. Der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, der ehemalige niedersächsische Wirtschaftsminister Hirche, teilte nach Rücksprache mit der EU-Kommission mit, eine Verschwenkung des Trassenverlaufes nördlich des Badestrandes durch das Weltnaturerbe Wattenmeer sei die beste und verträglichste aller Lösungen. Damit werde das Vogelschutzgebiet wirksam entlastet. Die EU würde dann Mittel bereitstellen, wenn die Trasse auf Betonstelzen über das Wattenmeer geführt werde, um den Charakter dieser einmaligen Naturlandschaft zu erhalten. Voraussetzung sei allerdings der vierspurige Ausbau der Trasse, um eine spätere Anbindung an die geplante Autobahnverbindung von Polen über Deutschland in die Niederlanden zu ermöglichen. Dem Wunsch einiger Ratsmitglieder der Insel Langeoog, sich ebenfalls zur Steigerung der Übernachtungszahlen im „Welterbe Wattenmeer“ mit einer Stichstraße über das Watt an diesen neuen europäischen Verkehrsstrom anzuschließen, erteilte Hirche eine Absage, es gelte, die Arbeitsplätze in der Fährgesellschaft zu erhalten.

Der Leiter des Nationalparks Wattenmeer, Peter Südbeck, zeigte sich begeistert. Endlich könne man den technischen Fortschritt eindrucksvoll mit dem gebotenen Schutz des Wattenmeeres optisch verbinden, um noch mehr Touristen auch aus Osteuropa in das Schutzgebiet zu locken, aber auch den Durchreisenden böte sich ein einmaliger Blick auf das Weltnaturerbe. Der Vorsitzende des Fischereiverbandes „Hol raus“  Dirk Sander lobte den Vorstoß, die Betonstelzen böten eine wertvolle Unterlage für die Ansiedlung von Miesmuscheln. Der Esenser Stadtdirektor Buß zeigte sich nach Rücksprache mit den zahlreichen Ehrenbürgern der Stadt Esens ebenfalls erfreut über den UNESCO-Vorschlag. Diese Variante über das Wattenmeer brächte endlich den leidigen und kostenintensiven Rechtsstreit über den Trassenverlauf südlich von Bensersiel mit dem Landeigentümer vom Tisch. Ein möglicher Konkurs der Stadt Esens werde damit abgewendet. Die Badetouristen am Strand ließen sich nach Buß´ Worten  von der Trassenführung durch das Watt nicht stören: „Unsere Gäste kommen aus Ballungsgebieten und sind mehrspurige Straßen gewöhnt, bei Regen bietet die Straße zudem noch Schutz.“

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