NSG „Petkumer Deichvorland“: Osterspaziergänger, zu Fuß und motorisiert

 

Jogger “NSG Petkumer Deichvorland”, 22.März 2008, Foto: Voß
„Von Vögeln befreit sind Weg und Flächen durch des Joggers schnellen beweglichen Schritt“ könnte man frei nach Goethes Osterspaziergang aus „Faust“ reimen. Aber dieser Osterspaziergänger macht das häufig, nicht nur zur Osterzeit, unbeeindruckt vom Betretungsverbot, und hat nicht mit Eilert Voß gerechnet. Eilert Voß aus Widdelswehr ist hartnäckig: Seit Jahren versucht er den auf den Foto-Chip zu bannen, der bereits frühmorgendlich sämtliche Brut- oder Rastvögel aus dem Naturschutzgebiet vertreibt. Nun wurde er fündig. Jahrelang ärgerte er sich über Emdens bekanntesten Jogger und Läufer aus Emden-Borssum. Fast jeden Morgen springt der namentlich bekannte Sportsfreund über alle Zäune des ausgeschilderten Schutzgebietes am Teekweg, egal ob Sperrzeit, wie zur Zeit, oder nicht.

Er ist der erste morgendliche Störer und bringt regelmäßig sämtliche Tiere des Schutzgebietes auf Distanz. Gestern verscheuchte dieser unfriedliche „Ostermarschierer“ im Schnellgang 60 Gr. Brachvögel, 15 Bekassinen, 10 Brandgänse, 240 Pfeifenten, 30 Krickenten, 65 Säbelschnäbler und 2 Uferschnepfen. Alle Vögel hielten sich im westlichen Bereich im „Bracklows Anwass“ auf und suchten panikartig das Weite.

Jogger “NSG Petkumer Deichvorland”, 22.März 2008, Foto: Voß

Wie viele Vögel er auf der Strecke von Jarßum nach Widdelswehr vertrieb ist unbekannt, da der Sportsmann erst in Höhe von Widdelswehr auf dem Teekweg bemerkte wurde, d. h. zunächst nahm Voß zuerst die Flucht von Brachvögeln war, am festgelegten internationalen Schwimmvogelzähltag. Nach solchen Störungen sind Zählungen mit verlässlichen und aussagekräftigen Zahlen natürlich für die Katz. Noch schlimmer ist es, wenn Gutachter den Wert des Gebietes feststellen sollen und erst nach dem Jogger mit den Erhebungen beginnen, dann ist kaum etwas in der Fläche zu sehen und die Wertigkeit des Gebietes wird durch einen einzigen Ignoranten völlig falsch beurteilt. Der Jogger wurde angesprochen und auf das gegenwärtig geltende Betretungsverbot hingewiesen. Er war nicht bereit, sein Fehlverhalten einzusehen, stritt ab, jemals einen Vogel vertrieben zu haben und beschimpfte Eilert Voß. Solch arrogant-ignoranten Zeitgenossen sollte man schlicht mit einer Ordnungswidrigkeiten-Anzeige antworten. Wenn jemand täglich über eine rote Ampel fährt, wird dies auch nicht toleriert und irgendwann bestraft. Beim Naturschutzrecht scheint aber alles anders zu sein. Und Platz genug zum Joggen hätte dieser Mensch allemal, hinter dem Deich, kilometerweit.

Anti-Jogger im NSG Petkumer Deichvorland

Ein weiterer, aber wohl schon leicht irrer „Spaziergänger“ entdeckte Eilert Voß hoch vom Treckerführerstand: Direkt neben ihm donnerte er über den Deich und setzte seinen Weg in rasanter Fahrt über den Teekweg fort. In Jarßum wendete er blitzschnell und fuhr genauso schnell zurück in Voß´ Richtung. Dann stoppte der Trecker neben Voß, die Tür vom Trecker wurde geöffnet und einen Hund sprang heraus. Der rannte dann hinter dem Traktor her, nach drei Minuten war wieder Ruhe. Dieser Nebenerwerbslandwirt ist Mitarbeiter der Stadt Emden und macht gelegentlich Hilfsdienste mit seinem Trecker. Vom Rheiderland auf der anderen Emsseite grüßten die Gas-Knallapparate zur Gänsevertreibung herüber. Naturfreunde also überall, sogar zu Ostern; der tägliche Irrsinn der tatsächlichen Zustände, nicht nur im Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“!

Trecker_NSG Petkumer Deichvorland Foto: Voß