
Symbolfoto: Wollnashorn, eine eiszeitliche Tierart des heutigen Nordseegrundes – Ecomar/Texel – Foto: Manfred Knake
In Esens im Harlingerland (Landkreis Wittmund) lädt das Museum „Leben am Meer“ Besucher ein , obwohl der Ort noch vier Kilometer vom Wattenmeer entfernt liegt. Man ist auf der Höhe der Zeit, Zitat: „Im Museum »Leben am Meer« wird Nachhaltigkeit und Klimaschutz ganz unaufgeregt praktiziert…“ Das Museum ist sehenswert, nicht nur wegen des großen Dioramas im Eingangsbereich, das die Veränderung der Küstenlinie über die Jahrtausende seit dem Ende der Weichsel-Kaltzeit veranschaulicht. Richtig ist der Satz im „Leitbild“ des Museums, wenn auch der Vergleich mit „Atlantis“ einige Nummern zu groß gewählt wurde: „Das Harlingerland erinnert an das antike Atlantis, denn einige Teile der Marschenlandschaft sind in den letzten Jahrhunderten mit ganzen Dörfern durch den steigenden Meeresspiegel versunken“.
Die Zeit ließe sich noch um Jahrtausende weiter zurückdrehen: Über den heutigen Nordseegrund (Doggerland), anschaulich im Museums-Diorama dargestellt, liefen vor ca. 12.000 Jahren Mammuts oder Wollhaarnashörner. Seit dem steigt der Meeresspiegel, mal schneller, mal langsamer, der sich auch mit dem ominösen „Klimaschutz“ nicht verlangsamen lässt. Er steigt (oder sinkt) durch nacheiszeitliche isostatische Bodenveränderungen, durch kippend-sinkendes oder (wie in Teilen Skandinavien) sich hebendes Land, mit derzeit ca. 2mm im Jahr in der Nordsee.
„Klimaschutz“ kann es zudem ohne den unmöglichen vorhergehenden „Wetterschutz“ gar nicht geben, weil „Klima“ das statistische Ergebnis (!) von 30 Jahren Wetteraufzeichnung ist. Nur wird der „Klimaschutz“ mit diesem Eingangssatz der Hausleiterin auf der WebSeite der „Ostfriesischen Landschaft“ , mit der das Museum auch verlinkt ist, weiter ausgewalzt: „Kultur und Klimaschutz haben mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Beide Themen sind eng mit der Lebensweise und den Werten einer Gesellschaft verbunden. Kultur definiert, wer wir sind, wie wir handeln und was uns wichtig ist. Sowohl Kultur als auch Klimaschutz erfordern ein Umdenken und Handeln auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Indem wir unsere kulturellen Werte mit dem Ziel des Klimaschutzes verbinden, können wir gemeinsam positive Veränderungen bewirken und eine nachhaltige Zukunft gestalten…“
Wie meinen? Was will uns die Hausleiterin des Museums damit sagen? Kann man durch die Änderung seines persönlichen Lebensstils das Wetter, das Klima und in der Folge gar den Meeresspiegelanstieg beeinflussen? Und welches der vielen Klimate, die sich schon in Deutschland regional deutlich unterscheiden, soll denn genau und wie „geschützt“ werden? Oder ist das nur wieder wohlfeiles Zeitgeistgeschwurbel, mit dem die Medienkonsumenten seit Jahren in die Klima-Irre geführt werden?
Die Frage, welches der verschiedenen Klimate geschützt werden soll, beantwortet heute das erste Grüne Wahlplakat in Esens: „Das Klima schützen!“, wobei es sich um Kommunalwahlen handelt. Somit gilt dies für das Stadtklima Esens, das man der Übersicht halber noch nach Abfuhrbezirken in „Esens Ost“ und „Esens West mit Stedesdorf und Werdum“ unterteilen sollte. Eine Sonderstellung nimmt Goldenort mit Butterstraße ein, wo die Jecken ja ein ganz besonderes Klima pflegen.